Neuer Sammelband zum Thema „NaturenKulturen“

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Wir freuen uns eine Neue Publikation aus dem Bereich Umweltethnologie präsentieren zu dürfen. Dieser Band vermittelt Einblicke in ein neues Forschungsfeld an der Schnittstelle von Kultur- und Sozialanthropologie, Geografie und Science & Technology Studies und stellt mit den »NaturenKulturen« ein Konzept vor, mit dem sich das Verhältnis von Natur und Kultur neu bestimmen und politisch situieren lässt.

Beiträge von Anna Tsing, Steve Hinchliffe, Uli Beisel, Banu Subramaniam, Sven Bergmann und anderen laden dazu ein, »NaturenKulturen« als Denkraum zu verstehen und neue Konstellationen von ökologischen Prozessen, technischen Artefakten und mehr-als-menschlichen Akteuren zu erforschen.

Eine Flyer zum Buch findet ihr hier.

Gesing, Frieda / Knecht, Michi / Flitner, Michael / Amelang, Katrin (2019): Naturenkulturen. Denkräume und Werkzeuge für neue politische Anthropologien. Bielfeld: transcript.

Bericht zum Workshop „Loss and Hope: Contemporary Debates in Environmental Anthropology”

AG Umwelthethnologie Jeanne Féaux de la Croix, Sandra Calkins und Heribert Beckmann

Am 18. und 19. Oktober 2019 fand das dritte Netzwerktreffen der AG „Umwelthethnologie“ der Deutschen Gesellschaft für Sozial und Kulturanthropologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen statt. 34 EthnologInnen reisten an, um sich über die methodologischen, epistemischen und theoretischen Möglichkeiten der Umweltanthropologie auszutauschen. Ziele des Workshops „Loss and Hope: Contemporary Debates in Environmental Anthropology” waren zweierlei: Zum einen wurde ein gemeinsamer Raum geschaffen, um zentrale zeitgenössische Herausforderungen in der Umweltethnologie intensiv in der AG zu diskutieren. Zum anderen wurde den Mitgliedern der noch recht jungen und wachsenden AG die Möglichkeit eröffnet, einander kennenzulernen und sich über Forschungsschwerpunkte, sowie über potentielle regionale wie thematische Kooperationen auszutauschen.

Im Zentrum der Diskussionen standen Fragen über die Setzungen und Positionierungen von EthnologInnen im Umgang mit Diagnosen ökologischen Verlusts. Ein Teil der Diskussion befasste sich auch mit der teils unbequemen Nähe der Umweltethnologie zu den Naturwissenschaften sowie den Herausforderungen und Chancen dieser Nähe. Zum Rahmenprogramm des AG-Treffens gehörte dementsprechend eine Exkursion in die Labore der Paläo-Geologie der Universität Tübingen. Dort machte Todd Ehlers die Teilnehmenden mit Thermochronologie und geochemischen Sampling-Methoden vertraut. Die Eindrücke von der Exkursion und der Dialog mit Prof. Ehlers und seinen MitarbeiterInnen regte kritische Reflektionen zu der Art und Weise, wie wir als UmweltethnologInnen den menschlichen Anteil an klimatischen und geologischen Veränderungen und Prozessen, die Bedeutung des Anthropozän sowie den wissenschaftlichen Umgang mit der nicht-menschlichen Umwelt konzeptualisieren, verstehen und beschreiben können. Der zweite Tag des Workshops beinhaltete thematische, methodologische und organisatorische Diskussionen zum Thema des Workshops sowie zu weiteren Aspekten von Umweltethnologie und zu Funktion, Aufgaben und zukünftigen Aktivitäten der AG Umweltethnologie. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde zunächst eine Panel Diskussion zum Thema: „Motions for and against ‚Hope‘ and ‚Loss‘: How do we work theoretically and ethnographically with these concepts?“ abgehalten. Die fünf Panelisten, Jeanne Féaux de la Croix, Sara Asu Schroer, Sandra Calkins, Daniel Münster und Carsten Wergin schöpften aus ihren ethnographischen Arbeiten und stellten in kurzen Positionspapieren ihre jeweiligen theoretischen und ethischen Zugänge zwischen„Hoffnung“ und „Verlust“ vor. Sollte die Umweltethnologie Hoffnung kultivieren? Was würde passieren, wenn man Verlust ethnographisch ernst nähme? Daran schloss sich eine lebhafte und kontroverse Diskussion zur Verwendung und Bedeutung der Konzepte „Loss“ und „Hope“ an. Um weitere Problem- und Fragestellungen zu erarbeiten, teilten sich die Teilnehmenden in vier Kleingruppen auf: „Environmental Change: ‚One person’s loss is another person’s gain‘?“, „Alternative Ethical Imaginings of Loss and Hope“, „Nature – Culture or NatureCultures: perennial favourites or old hats?“ sowie „Across the Great Divide? Anthropology and the Natural Sciences”.

Der letzte Teil des Workshops galt der Idee, ein gemeinsames DFG-Netzwerk zu beantragen. Cathrine Bublatzky, die erfolgreich ein Netzwerk in Heidelberg leitet, berichtete aus Ihren Erfahrungen und klärte über organisatorisch-administrativen Prozesse auf. Ein vorläufiges Ergebnis: zwei TeilnehmerInnen bekundeten Interesse, federführend an der Beantragung eines gemeinsam erarbeiteten DFG-Netzwerks zu „socio-ecological alternatives“ mitzuwirken. Zudem wurden weitere Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und der Vernetzung mit Wissenschaftlern aus anderen Disziplinen sowie mit nichtwissenschaftlichen und öffentlichen Akteuren eruiert. Des Weiteren wurde eine stärkere Verbindung zwischen der AG Umweltethnologie und dem EASA Network „Humans and other living beings“ angeregt. Ein Beschluss ist es, beim nächsten Treffen der AG Umweltethnologie in Konstanz, neue Techniken und Möglichkeiten der Wissensvermittlung und -weitergabe, sowie die Erarbeitung von Lehrkonzepten zu einem Schwerpunkt zu machen. Bereits jetzt planen wir, untereinander Lehrpläne für umweltethnologische Seminare auszutauschen, um so die Verbreitung und Qualität umweltethnologischer Wissensvermittlung zu verbessern.